Gesund Essen im Ausland: Thailand & Vietnam

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Diesen Sommer war ich fast ständig unterwegs: Asien, Deutschland, Schweiz, Salzkammergut. Als ich im Vorfeld diverse Blogbeiträge gesehen habe, wo es ums gesunde Essen auf Reisen geht, ist mir immer wieder aufgefallen: vielen scheint es einen unglaublichen Stress zu machen, im Urlaub ja nicht ungesund zu essen. Auf Instagram kann man das auch immer sehr gut mitverfolgen. Egal wo viele selbstbetitelte „Healthy Foodies“ – keine Kritik, ich sehe mich ja auch selbst als eine solche – hinreisen, das Erste, wonach Ausschau gehalten wird, sind so genannte „Health Spots“. Hallo Globalisierung. Denn: das Essen scheint in diesen Restaurants und Cafés überall auf der Welt nur minimal unterschiedlich zu sein. Die Frage, die sich mir dabei oft stellt, ist, wo die Neugier für neue Esskulturen und Geschmäcker bleibt? Die Komfortzone scheint nicht leicht zu verlassen zu sein, sowohl was zuerst einmal die Umstellung von ungesundem Essen auf gesundes Essen betrifft, dann aber auch die Bereitschaft, die ach-so-gesunden Essgewohnheiten auf Reisen ein kleines Bisschen umzustellen, um sich für all die neuen Erfahrungen in der Welt der Kulinarik auf einem anderen Teil der Erde zu öffnen. Ich meine damit nicht, dass eine Reise automatisch eine Lizenz zum Sich-gehen-Lassen bedeutet, absolut nicht. Denn auch mir ist bekannt, dass, wenn man einmal erlebt hat, wie es sich anfühlt, eine gesunde Ernährung zu etablieren, man das auch nicht mehr missen möchte. Und trotzdem plädiere ich dafür, dass es nicht notwendig ist, die eigenen, sehr bedachten und gesunden First-World-Essgewohnheiten jedem anderen Aufenthaltsort, der nicht die eigenen 4 Wände ist, in genau gleicher Form überzustülpen. Die Flexibilität, die Spontanität und die Offenheit, Neues zu entdecken, gehen da viel zu schnell verloren. Warum nicht einfach einmal schauen, was die neue Umgebung auf dem vielleicht noch ganz unbekannten Kontinent so zu bieten hat?

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So ungefähr sieht es aus, wenn ich wegfahre, zum Beispiel wie in diesem Sommer nach Thailand und Vietnam. Ob ich mir Superfood-Lebensmittel aus Österreich mitgenommen habe? – Nein. Ob ich dort Health Stores ausfindig gemacht habe? – Nein. Warum nicht? – Weil ich das für unnötig halte. Ich sträube mich ganz einfach dagegen, meinen zu müssen, den westlichen Essstandard – nicht den Überfluss an Junk-Food, natürlich, den es sowieso überall schon gibt, sondern den gesundheitsbewussten – in meinen Koffer einzupacken, um ja nicht in die Situation zu kommen, einmal ratlos zu sein, was ich essen soll, weil nichts von dem, das im fremden Land verkauft wird, genauso aussieht, wie das, das zuhause auf meinen Teller kommt. Das würde doch den ganzen Spaß verderben.
Aus diesem Grund möchte ich meinen Beitrag zum gesunden Essen auf Reisen etwas anders gestalten. Ich möchte nicht aufzeigen, wie man das gewohnte Essen von zuhause auch im Ausland bekommt, sondern viel mehr aufzeigen, was es vor Ort in Thailand und Vietnam gibt, das einen gesundheitsbewussten Ernährungsstil ergänzt.

Neue Erfahrung #1: Street Food in Asien

Erster Tag in Bangkok und grummelnde Mägen nach einem langen Flug. Nach einer irren Taxifahrt durch eine Stadt, die ich bis zum letzten Zeitpunkt einfach in ihrem Wesen nicht verstehen konnte, kam die nächste, vielleicht größere Herausforderung für zwei junge Frauen, die sich zum ersten Mal außerhalb von Europa befinden: Essen finden, und zwar neben der Straße. Ich hatte zuvor nur positives von asiatischem Street Food gehört und war deshalb sicher, dass wir kaum Bedenken haben müssen. Trotzdem war das eine so ungewohnte Situation, dass wir uns zuerst einfach nur überfordert gefühlt haben, vor allem, weil der optische Eindruck nicht der einladenste war, zumindest auf den ersten Blick. Wir haben dann aber schließlich doch bei einem der Stände nahe unseres Hostels (nein, nicht auf der Khao San Road, entgegen dem Backpacker-Mainstream) Halt gemacht und uns das einfachste Gericht auf der Karte bestellt: Reis mit Gemüse. Wir waren wirklich skeptisch, bis zu dem Zeitpunkt, als wir dann das Essen in der Hand hielten und einen Bissen probierten. Ach, war das gut! Unsere „Angst“ vor Street Food war ab diesem Moment besiegt und das war auch absolut wichtig, denn in Bangkok haben wir nur ein einziges Mal in einem Restaurant gegessen.
Mein Tipp hierfür: einfach vergessen, wie Essensstände und Restaurants in Österreich aussehen, die asiatische Umgebung hinnehmen, wie sie ist, sie nicht in jedem Punkt vergleichen, sich einfach einlassen; für den Anfang das einfachste Gericht ohne Fleisch, Fisch und Ei bestellen (vor allem der Hygiene wegen) und den Moment genießen, in dem man neben einer stark befahrenen Straße, wo Mopeds, Autos und Fahrräder kreuz und quer durcheinander fahren und versuchen, sich im Hupen zu übertrumpfen, sitzt und ein leckeres, heißes Essen von einem Pappteller mit Holzstäbchen isst. Dazu noch ein Singha-Bier und der Bangkok-Moment ist perfekt!

Willkommen in der Smoothie-Welt!

Damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet: Smoothies und frische Säfte auf jeder Karte! Kokos-Smoothie, Avocado-Smoothie, Gurkensaft, Karotten-Ingwer-Saft, frische Kokosnuss…wunderbar gut! Ich war total überrascht und habe mir dann hin und wieder nachmittags so etwas gegönnt. Vor allem die frische Kokosnuss war ein Highlight und davon konnte ich kaum genug bekommen.
Vorsicht allerdings bei Eiswürfeln: das Wasser, das dafür verwendet wird, ist nicht immer rein. Außerdem werden die Eisblöcke oftmals auf der Straße bearbeitet. Wer also hier auf Nummer sicher gehen will (was ich allen raten würde), bestellt die Smoothies und Säfte ohne Eis. Sie sind dann zwar oft sehr dickflüssig und haben Zimmertemperatur, aber letzteres ist für die meisten unserer Mägen ohnehin besser, von dem her gibt es hier kaum etwas auszusetzen.

Vegan in Asien?

Nichts leichter als das. Wirklich. Ordert man ein vegetarisches Gericht, ist es meistens ohnehin schon vegan. Allerdings verwendet man in Thailand und in Vietnam gerne Eier, in warmen Nudelgerichten und vor allem auch zum Frühstück. Ich hatte aber nie ein Problem, wenn ich gefragt habe, ob es möglich ist, das Ei wegzulassen. Milchprodukte werden eher selten verwendet, Kondensmilch findet man das eine oder andere Mal. Den Großteil der Zeit habe ich mich aber vegan ernährt, ohne große Mühe und ohne je hungrig zu bleiben.

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Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon: übers Probieren von Neuem

Ein Markt hier, ein Street Food Stand dort, ein fahrender Laden auf dem Rücken eines Rades auf der einen Seite und ein kleines Restaurant mit lokalen Köstlichkeiten auf der anderen. Kulinarik so weit das Auge reicht. Für Asien stimmt das ganz bestimmt.
Schon als Kind habe ich alles gekostet – zumindest wurde mir das gesagt, erinnern kann ich mich da nicht mehr ganz so dran. Grundsätzlich macht es mir richtig Freude, neue Lebensmittel und Speisen auszuprobieren und ich kann es allen nur empfehlen, die Sorge, dass es einem nicht schmeckt, einmal sein zu lassen und einfach zu kosten. Die Möglichkeit, etwas zu entdecken, das man lieben lernt, ist einfach viel zu schön!

Was ich so an Neuem probiert habe…

  • Durian
  • Drachenfrucht
  • Passionsfrucht
  • Grüne Bananen (nein, weder unreife noch Kochbananen!)
  • Frische Kokosnuss (mein absoluter Favorit!)
  • Wasserspinat
  • Klebereis mit Mango
  • Pad Thai (ja, das hatte ich tatsächlich vorher nicht gekannt!)
  • Thailändisches Bier
  • Vietnamesisches Bier
  • Vietnamesische Familienküche: Marinierte Aubergine, mariniertes Kraut, Kürbissuppe (ganz anders als die unsrige) und alle möglichen anderen Gemüsesorten in diversen Saucen, deren Namen ich nicht kenne)
  • Street Food (aufgrund des „Ambientes“ zählt das als eigener Punkt und auf den bin ich auch wirklich stolz…)
  • Vietnamesischer „Egg Coffee“

…und natürlich eine Menge Kombinationen von Gemüse in unterschiedlichsten Saucen, die ich nicht alle hier aufzähle und auch gar nicht mehr benennen könnte. Die Liste hier kommt mir zwar nicht besonders großartig vor, vor allem, weil es auf Märkten und in Geschäften in Österreich viele dieser Dinge ohnehin gibt (ich sie jedoch noch nie gekauft habe), allerdings hat es sich so angefühlt, jeden Tag etwas komplett Neues zu probieren.
Ich habe mir keine großartigen Gedanken darüber im Vorfeld gemacht, sondern habe die asiatischen Essgewohnheiten einfach auf mich zukommen lassen. Und das hat hervorragend funktioniert. Etwas Tolles daran: ich hatte kaum einen Tag dabei, an dem ich das Gefühl hatte, mich ungesund ernährt zu haben. Ja, das geht auch ohne Superfoods im Gepäck, einfach mit all dem, was die neue Umgebung und die eigene Kreativität (und ein bisschen Wissen über Lebensmittel allgemein, was vor allem im Ausland von großem Nutzen ist!) so hergeben.

Für den Notfall: Ein bisschen etwas über Schonkost

Ja, auch uns ist es nicht erspart geblieben, für kurze Zeit auf Schonkost umsteigen zu müssen. Mein Tipp hierfür ist definitiv Reis. Und Reis. Und Reis. Meinen Magen hat das extrem beruhigt. In Vietnam bekommt man auch überall weißes Brot, das den Magen auch nicht wirklich aufregt. Ich habe häufig ein ganz kleines Bisschen Butter drunter gemischt und frisches Obst gekauft. Dabei ist wichtig, dass es sich um Sorten handelt, die man noch schälen muss. So kann man sichergehen, dass es auch wirklich rein ist.
Den Magen schonenden Tee war leider nicht einfach zu finden. Schwarzen Tee bekommt man überall, Kräutertee jedoch kaum. Das ist vielleicht etwas, das ich in der Reiseapotheke mitführen würde, einfach für den Fall, dass der Magen etwas Beruhigendes braucht.

Essen im Ausland und Ethik: Ganz persönliche Überlegungen

Habe ich doch gerade oben betont, dass ich es toll finde, einfach alles zu probieren, was die Märkte, Stände und Restaurants in Asien zu bieten haben, muss ich an dieser Stelle wohl ein klein bisschen zurück rudern. Denn eines lasse ich nicht aus dem Auge: die Fragen der Ethik. Ich habe bisher noch kaum über meine Motivationen, vegetarisch oder vegan zu essen, geschrieben (kommt bald, versprochen!), aber ein paar Gedanken sollen hier Platz finden. Auch wenn ich Freude daran habe, mich durchzukosten, ist es für mich Teil meiner Einstellung zur Welt, keine Tiere zu essen. Daher käme es mir auch nicht in den Sinn, die gegrillten Insekten, die Meerestiere, Fisch, Fleischspieße oder andere ähnliche Dinge zu probieren, sollten sie auch noch so sehr als Spezialität vor Ort gelten und es mich noch so sehr interessieren, wie das schmeckt.
Allerdings muss man hier fairerweise sagen, dass man freilich nicht immer genau weiß, wie das Essen zubereitet worden ist (Stichwort: Fischsauce). Wer sichergehen möchte, fragt am besten einfach nach. Fragen kostet nichts, weder Baht, Dong noch Tierleben.

Wie geht es euch mit der Ernährung im Ausland?
Hinterlasst gerne einen Kommentar! :-)

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