Warum ein Food-Blog kein Ernährungstagebuch ist…

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Der heutige Eintrag ist zwar nicht so wie die anderen mit vielen Bildern von leckerem Essen versehen, aber darum nicht weniger wichtig. Vielleicht sogar im Gegenteil. Es ist mir nämlich ein großes Anliegen, ein paar Worte darüber zu verlieren, warum weder ein Food-Blog noch der Instagram-Account (und auch nicht Snapchat oder die Instagram-Stories, by the way) einem Ernährungstagebuch gleichkommen. Dass das nicht selbstverständlich ist, habe ich schon mehrere Male mitbekommen und deshalb beschlossen, meine Gedanken zu diesem Thema jetzt einmal zu teilen.

Unglaublich häufig – viel häufiger, als mir lieb ist – kommt es vor, dass ich gefragt werde, was ich denn alles nicht esse und ob ich dieses oder jenes essen darf, weil da ist ja ein Löffel Joghurt oder ein Stückchen Butter drinnen. Und Vollkorn sei es auch nicht. Lange habe ich mich gefragt, warum angenommen wird, ich dürfte das selbst nach Beendigung meiner kleinen Kasein-Auszeit nicht, bin ich doch dezidiert nicht vegan, sondern plant-based unterwegs. (Alle, die nicht wissen, welchen Unterschied ich hier mache, klickt doch einfach hier: vegan vs. plant-based). Bis dann schließlich E-Mails und Kommentare hereingeflattert sind, die mich darauf gebracht haben, dass es an dem Irrglauben oder der Missinterpretation vieler Leute liegt, ein Food-Blog oder ein Social Media Account käme einem (Ernährungs-)Tagebuch gleich. Das ist nämlich absolut nicht der Fall.

5+ Gründe, warum ein Food-Blog kein Tagebuch ist:

1. Am Blog landen nur Rezepte, die funktionieren. (Nein, im Alltag ist das nicht immer der Fall)

2. Die Bilder am Blog entsprechen insofern nicht der Realität, als sie bearbeitet sind. Alle.

3. Niemand isst ausschließlich das, was er/sie selbst gekocht hat. Man geht essen. Und wird wo eingeladen. Auch dort greift man zu. (Ich zumindest)

4. Oft weiß man etwas besser, und handelt trotzdem gegenteilig. Manchmal bedacht unbedacht (Die Schokoladetafel liegt leider so unglaublich griffbereit und das eine Stück lass ich jetzt auch nicht mehr übrig), manchmal absichtlich (Mir schmeckt nun mal der weiße Reis und meinem Magen tut er auch gut).

5. Und wer sagt überhaupt, ein/e BloggerIn isst tatsächlich nur das, was auf dem Blog zu finden ist?

Es gäb freilich noch ein paar mehr Dinge aufzuzählen. Wie zum Beispiel, dass auch auf einem Instagram-Feed nie genau das zu sehen ist, was wirklich den ganzen Tag auf den Teller kommt. In punkto Realitätsabbildung wären wahrscheinlich die Bilder am spannendsten, die es nicht auf den Feed schaffen. Ich finde das eigentlich völlig in Ordnung (ich halte es ja genauso), schließlich ist dieser Feed auch nicht dazu da, alles haargenau aufzuzeichnen, sondern hat viel mehr die Funktion, Elemente unseres Alltags in möglichst ästhetischer Form mit der Welt zu teilen. Wer ein gutes Auge und eine gute Kamera, kreiert sich selbst eine unglaublich schöne Seite, an der sich auch die AbonenntInnen erfreuen können. Tagebuchcharakter hat das dann natürlich nicht. Das sollte man sich immer wieder vor Augen führen und damit aufhören, sich schlecht zu fühlen, wenn man gerade wieder ein Rippe Schokolade genießt (!!) und sich nebenbei den Instagram-Feed einer/s GesundheitsbloggerIn ansieht. Man ist deshalb nicht inkonsequenter als die anderen, auch, wenn es laut Instagram-Feed so aussieht. Denn wer weiß, was zwischen den geposteten Bildern passiert? (Dem schaffen aber auch Snapchat und Instagram-Stories keine Abhilfe, da auch hier ausgewählt wird, was gefilmt wird, lediglich der Filter fehlt.)

Was meinen eigenen Blog und meine Essgewohnheiten im Kontrast dazu betrifft, kann ich Folgendes sagen: Ich bin durch und durch Vegetarieren, was aber eher mit Ethik zu tun hat als mit Gesundheitsbewusstsein. Ich koche gerne vegane Gerichte und verzichte auf raffinierten Zucker und Weizen, wenn ich backe. Ab und zu esse ich Tofu. Hin und wieder genieße ich Feta und Ziegenkäse, Kefir, Parmesan, pochiertes Ei und Joghurt (alles Bio!) darf es auch hin und wieder sein. Auch ein Stückchen Bio-Butter schmeckt auf einer Scheibe Schwarz- oder Knäckebrot unglaublich gut. Weißer Reis darf seit ein paar Monaten auch nicht mehr fehlen (Grund: TCM-Ernährung). Ich liebe dunkle Schokolade und komme nicht immer dazu, selbst Schokolade zu gießen. Darum kaufe ich dunkle Schokolade ein, die dann halt raffinierten Zucker enthält. Im Sommer gönne ich mir auch gerne Eis, in punkto Zucker also ident mit der Schokoladesache. Außerdem gehe ich gerne essen und freue mich immer sehr, wenn ich bei FreundInnen eingeladen werde, wo es dann oft hausgemachte Desserts, Knabbereien oder sonstige Leckereien gibt. Auch dort sage ich nicht nein.

Auf den Blog kommen Rezepte ohne Soja, ohne Zucker, ohne weiße Kohlenhydrate und nur ganz selten welche, die Milchprodukte oder Ei enthalten. Man erkennt hier also doch einen kleinen Unterschied.

Grundsätzlich ist mein Alltag freilich von gesunder Ernährung dominiert, aber hie und da darf es dann eben auch einmal etwas Anderes sein. Und ich finde das gut so. Ich habe natürlich immer meine Blutwerte und mein Wohlgefühl im Kopf, die beide auf gesunde (plant-based) Ernährung angewiesen sind. Aber die wenigen Dinge, die ich konsumiere, die nicht in dieses Blogrezepte-Schema passen, machen das Kraut (und auch das Blut) nicht fett. Und im Übrigen ist Genuss für die (mentale) Gesundheit genauso wichtig. Warum sich also zwingen, auf etwas komplett zu verzichten, das man eigentlich gerne hat? (Vorsicht: das ist nicht automatisch eine Lizenz dafür, nicht auf gesunde Ernährung zu achten. Die, die einen gesunden Ernährungsstil haben, wissen bestimmt nur zu genau, wie gut sich das im eigenen Körper anfühlt. Ändert ein Stückchen – oder eine Rippe – Schokolade nichts an diesem Wohlgefühl, dann es auch kein Fauxpass, das zu essen!)

Lange Rede, kurzer Sinn: Fazit

Also: Nur weil ein Rezept so oder so gestaltet ist (bzw. das Blogthema auf eine bestimmte Ernährungsrichtung hinweist), heißt das nicht, dass die Rezepte den Ernährungsalltag des/der BloggerIn eins zu eins wiedergeben. Diesen Schluss zu ziehen, wäre unangebracht.
Das Gleiche gilt für Instagram- und andere Social Media Accounts. Es mag wohl ein paar Leute geben, die tatsächlich alles online stellen, das sie am Tag essen, aber ich wage zu behaupten, dass das äußerst unwahrscheinlich ist (und meiner Interpretation nach auch bedenklich, aber das sei nur am Rande bemerkt). Behaltet das im Kopf, wenn ihr das nächste Mal auf die Startseite eines Blogs oder auf einen Social Media Feed seht: nur die wenigsten Dinge sind tatsächlich so, wie sie einem präsentiert werden!

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