Saftfasten 101

saftfasten (3)
Ich hab es getan. Drei Tage lang. Nie hätte ich gedacht, dass ich das durchhalte. Noch dazu so problemlos. Ich rede vom Saftfasten: 3 Tage ohne feste Nahrung, ohne Ballaststoffe. 3 Tage lang nur Säfte, Tee und klare Brühe. Wie das funktioniert und wie ich es erlebt habe, berichte ich euch hier (inkl. aller Saftrezepte!).

Saftfasten wollte ich schon immer mal ausprobieren. Aber so richtig drüber getraut habe ich mich dann doch nicht. Ich bin dann aber vor ein paar Wochen auf ein Q&A-Video von Mady Morrison – ich praktiziere häufig Yoga zu ihren Videos – gestoßen, in dem es ums Saftfasten gegangen ist. Dort war von vorne bis hinten alles so gut erklärt, dass ich mir gedacht habe „das kann ich doch auch!“.
Ich bin zuerst los und habe mich schlau gemacht, welche Saftfirmen Saftkuren anbieten. Ich hab dann aber recht schnell gemerkt, dass es mir eigentlich zu teuer ist, 40€ pro Tag für eine Saftkur auszugeben. Da ich aber in stolzem Besitz eines Entsafters bin, habe ich mich dazu entschlossen, die Säfte einfach selbst zu machen und damit gehörig Geld zu sparen, wie sich dann herausgestellt hat.
Ich habe mich online noch genauer informiert, wie man am besten in eine Saftkur einsteigt, worauf man währenddessen aufpassen muss und welche Regeln es gibt, um eine Saftkur auf richtigem und den Körper schonendem Weg wieder zu beenden. Dieses Wissen teile ich hier mit euch und verrate euch außerdem meine Rezepte, bei denen ich versucht habe, mich ein bisschen an dem 5-Elemente-Kochen zu orientieren. Dazu aber später mehr.

Gleich zu Beginn teile ich mit euch hier noch einen Link: bei dem Video einer Ernährungsberaterin aus Wien geht es ums Fasten aus der Sicht der TCM. Ich finde dieses Video sehr aufschlussreich. Es geht dabei nicht nur ums Saftfasten (übrigens ist Saftfasten nach der TCM eine radikale Saftenkur), sondern allgemein ums Fasten. Wichtig auch: es wird angeführt, für wen Fasten nicht geeignet ist. Es gilt also auf jeden Fall immer zu bedenken, ob so etwas für einen selbst gut ist.

Wie startet man ins Saftfasten?

Ganz wichtig sind Vorbereitungstage, damit der Körper sich auf die Kur einstellen kann. Ich hatte dafür drei Tage eingeplant. An den ersten beiden Vorbereitungstagen habe ich mich vegan ernährt, jegliche Genussmittel (Süßungsmittel, Kaffee, Alkohol, koffeinhaltige Tees) weggelassen und die Portionen der Mahlzeiten etwas minimiert. Am dritten Tag gabs fast nur mehr flüssige Nahrung, allerdings inklusive der Ballaststoffe. Ich hab also am Tag vor dem Start der Saftkur Smoothies und Suppen gegessen. Ich hatte allerdings am Abend das Verlangen danach, etwas zu beißen. Darum hab ich mir ein paar Nüsse und eine Apfelspalte genehmigt.

Den ersten Tag des Saftfastens beginnt man mit einer Darmentleerung, und zwar ausgelöst durch Abführmittel. Empfohlen werden hierfür Sauerkrautsaft oder Glaubersalze. Ich habe mich für Glaubersalze entschieden, die stärker und rascher wirken sollen als Sauerkrautsaft. Die bekommt man in der Regel in der Apotheke, sind jedoch nicht für jedermann/-frau geeignet. Wichtig ist also, dass man sich vorher informiert, was für einen selbst besser geeignet sein wird.
Glaubersalz nimmt man folgendermaßen ein: 2 TL Glaubersalz mit etwa 200-250ml warmem Wasser mischen und warten, bis die Kristalle aufgelöst sind. Das dauert etwa 10-15 Minuten. Danach kann man es trinken. Für einen besseren Geschmack habe ich noch frischen Zitronensaft dazu gegeben. Wichtig ist, dass man das Wasser immer wieder umrührt, damit sich nichts am Boden absetzt und diese Reste dann nicht im Glas bleiben. Um danach einen besseren Geschmack im Mund zu haben, trinkt man am besten eine Tasse Tee. Hierfür wird oft Pfefferminztee empfohlen.

Was nimmt man beim Saftfasten zu sich?

Die Kuren – ich Rede hier von Kuren mit rohen Säften –, die von Saftfirmen angeboten werden, sind meistens so aufgebaut, dass man pro Tag fünf Säfte und eine Nussmilch – die gibt’s abends – trinkt. Die Nussmilch hat den Zweck, dass man auch in der Nacht gut mit Nährstoffen versorgt ist. Alternativen wären zum Beispiel Angebote mit Suppen. Ich hab mich an der ersten Variante orientiert und täglich vier oder fünf frisch gepresste oder auch gekaufte Säfte und abends eine Tasse Nussmilch getrunken, auf die ich mich schon immer morgens gefreut habe! Zwischendurch habe ich Tee und klare Gemüsebrühe (hefe- und zuckerfrei!) zu mir genommen.
Ich habe auch Erfahrungsberichte zu anderen Saftkuren gelesen. Beispielsweise kann man das auch mit milchsauer vergorenen Gemüse- und Obstsäften machen. Ich hatte einen solchen Saft zur Ergänzung zu den frischen, rohen Säften zuhause und habe diese beiden Formen also gemischt.

Wie beendet man das Saftfasten?

Das Fasten „bricht“ man am ersten Tag danach mit einem kleinen (!!!) Frühstück. Häufig wird hierfür ein Apfel empfohlen. Ich habe mich für eine halbe Banane entschieden, weil ich darauf mehr Lust hatte. Ja, eine halbe Banane hat ausgereicht, um mich satt zu fühlen.
Wichtig ist, dass man den Körper während der Tage nach einer Saftfastenkur nicht überfordert. Während der Kur ist der Darm fast komplett frei von festen Stoffen, da man ja nur Getränke zu sich nimmt. Er wird also komplett entlastet. Fängt man gleich danach an, sich ungesunde Dinge reinzustopfen, wird das den Verdauungstrakt sicher nicht erfreuen. Die so genannten Aufbautage sind also immens wichtig. Ich habe diese so wie die Entlastungstage vor dem Saftfasten gehandhabt: vegan, keine Genussmittel, ganz kleine Portionen und viel trinken.

An meinem ersten Tag danach habe ich zu mir genommen:
½ Banane zum Frühstück
1 kleine Schüssel Tomatensuppe mit Hirse zum Mittagessen
250ml Bio-Gemüsesaft mit Wasser am Nachmittag
1 Tasse Soja Chai (in einem Café)
1 kleine Schüssel Hirse mit Zucchini, getrockneten Tomaten und Avocado am Abend
Zwischendurch gab’s Tee und Wasser.

Im Nachhinein denke ich, dass es klüger gewesen wäre, 1. im Café keinen Chai zu bestellten (er war nämlich gesüßt, was ich vorher nicht wusste) und 2. abends keine feste Nahrung, sondern ebenfalls Suppe zu essen oder alternativ einen Smoothie zu trinken. Ich glaube, das wäre das Beste für den Magen/Darm gewesen.

Gibt es Notfalllebensmittel, die man zu sich nehmen darf, wenn es wirklich sein muss?

Sinn der Sache ist eigentlich, den Verdauungstrakt komplett zu entlasten. Feste Nahrungsmittel sind also nicht unbedingt so gut geeignet. Ich hatte nachgelesen und für mich dann entschieden, dass ich im Fall eines Schwächeanfalles bei nicht funktionierendem Kreislauf ein Stückchen Banane oder etwas Apfelmus essen kann. Beides hatte ich zur Sicherheit zuhause, ebenso Schwarz- und Grüntee. Mir ist es beim Saftfasten aber so gut gegangen, dass ich nichts davon als Notfall gebraucht habe. Etwas für dringende Fälle zuhause zu haben, ist aber nie verkehrt.

Wie ist es mir während des Saftfasten gegangen?

Grundsätzlich muss ich sagen: gut. Besser als ich gedacht hätte. Ich habe zwar doch ab und an Hunger verspürt, aber nach dem nächsten Saft war der wieder verflogen. Vor allem am ersten Tag hatte ich dieses Hungerproblem. Da hatte ich auch abends das Verlangen, etwas zum Kauen zu haben. Die Nussmilch abends hat hier aber sehr geholfen, da sie mich gut gesättigt hat.
Allerdings ist mein Körper während dieser drei Tage recht ausgekühlt. In der ersten Nacht bin ich mit dicken Socken, zwei Ganzjahresbettdecken und einer Wärmflasche schlafen gegangen. Auch tagsüber bin ich mit einer Kleidungsschicht mehr als sonst herumgelaufen und mit Wärmflasche und Kuscheldecke beim Schreibtisch gesessen. Meine Zehen und Finger waren rund um die Uhr kalt. Aber dass das passiert, war anzunehmen, noch dazu, da meine Finger grundsätzlich fast immer kalt sind.
Während meiner Recherche vorab habe ich oft gelesen, dass Kopfweh in den ersten Tagen nicht unüblich ist, entweder wegen Kaffeeentzugs oder wegen des starken Flüssigkeitsverlustes nach der Einnahme des Abführmittels. Ich hatte dieses Problem allerdings nicht und bin wirklich froh darum. Dafür trinke ich vermutlich zu selten Kaffee und habe am ersten Tag bewusst sehr viel Flüssigkeit zu mir genommen, um der Gefahr zu entgehen.
Was ich allerdings vor allem am ersten Tag bemerkt habe, war ein sehr trockener Mund. Ich schätze, das lag vielleicht ebenfalls am Abführmittel. Auch der Zungenbelag war während der drei Tage ganz anders als sonst. Was das bedeutet, weiß ich leider nicht (ich schätze aber, dass die TCM darauf eine Antwort hätte!).
Was mich positiv überrascht hat war, dass mein Kreislauf anstandslos mitgemacht hat. Das ist nämlich bei mir leider keine Selbstverständlichkeit. Schwächeanfälle sind mir leider nicht unbekannt. Da ich aber in fast jedem Saft etwas Obst oder süßes Gemüse dabei hatte, war vermutlich der Zuckerbedarf gedeckt und der Blutzuckerspiegel konstant, da man ja nicht hungert, sondern regelmäßig einen Saft trinkt. Zumindest ist das meine Erklärung, die mir plausibel vorkommt.
Trotzdem war ich am ersten und zweiten Tag nicht ganz so energiegeladen wie sonst. Den dritten Tag kann ich hier ausnehmen, da ging es mir richtig gut. Am ersten Tag bin ich zuhause geblieben, einfach um zu sehen, wie es mir geht (und auch wegen der Abführmittel ;-) ). Am zweiten Tag war ich ganz normal zu Fuß unterwegs, da ich Termine hatte. Meine mittlerweile fast tägliche Stunde Morgensport habe ich aber ausgelassen, weil mir das Gehen Bewegung genug war. Am dritten Tag war ich tagsüber ebenfalls auf den Beinen und abends in einer Yogastunde in der Yogaria im 8. Bezirk. Das hat alles prima geklappt.
Ungewöhnlich war, dass ich während des Saftfastens totalen Guster auf Pfefferminztee hatte. Normalerweise habe ich den gar nicht zuhause, hatte ihn aber vorab besorgt, da er nach der Einnahme von Glaubersalzen empfohlen wird. Auf Gewürztees hatte ich überhaupt keine Lust, was mich echt gewundert hat, da ich die eigentlich sehr oft trinke.
Und: keine einzige Sekunde hatte ich Lust auf Süßigkeiten. K.e.i.n.e e.i.n.z.i.g.e S.e.k.u.n.d.e L.u.s.t a.u.f S.c.h.o.k.o.l.a.d.e! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich war echt stolz auf mich!

Und nun aber zu den Rezepten!

saftfasten

Welche Säfte habe ich während des Saftfastens getrunken?

Gleich eines vorweg: Vorbereitung. Ist. Alles! Wirklich! Ich hatte eine Woche zuvor zu planen begonnen, wie ich die Saftkur gestalten werde und welche Säfte ich trinken werde. So hatte ich erstens Zeit, alles einzukaufen, um nicht während des Fastens einkaufen gehen zu müssen, und zweitens hatte ich so die Möglichkeit, mich mental und emotional darauf einzustellen. Dass das wichtig ist, habe ich schon vorher einmal erlebt, als ich gedacht hatte, ich muss jetzt mal einen Tag nur flüssige Nahrung zu mir nehmen, weil ich am Vortag Blödsinn gegessen hatte. Ob’s funktioniert hat? Natürlich nicht. Und das nicht einmal trotz Ballaststoffen (Smoothies und Suppen). Alles noch einmal: Vorbereitung ist alles!

Wie schon angedeutet, habe ich meine Saftrezepte ein bisschen an der 5-Elemente-Lehre der TCM angelehnt. Ich hatte Ende Februar einen 5-Elemente-Kochkurs besucht und die Erfahrung gemacht, dass die Gerichte, die wir dort „im Kreis gekocht“ haben, unglaublich „rund“ geschmeckt haben und sich so angenehm im Körper angefühlt haben. Darum habe ich mir gedacht, vielleicht bringt’s ja was, wenn ich das auch bei den Säften anwende. Ich habe keine Ahnung, ob das nach der Lehre der TCM Sinn macht, aber wie sagt man in Oberösterreich: hüft’s ned, schodt’s ned!
Ich habe also vorher recherchiert, welche Obst- und Gemüsesorten welchem Element zugeordnet werden können und auf Basis dessen meine Rezepte gestaltet. Das Gemüse und Obst ist dann auch in der richtigen Reihenfolge (Wasser – Holz – Feuer – Erde – Metall) in den Entsafter gewandert. Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn ich es in anderer Reihenfolge gemacht hätte, aber ich wollte es einfach ausprobieren. Die Säfte waren jedenfalls sehr, sehr lecker!
Morgens gab es einen roten Saft, mittags einen grünen und abends einen orangen. Zwischendurch habe ich entweder noch einmal einen roten (frisch oder gekauft) getrunken, außerdem Wasser, Tee (vor allem Pfefferminztee und Basentee) und Kokoswasser.
Die Nussmilch abends war übrigens Macadamiamilch und Mandelmilch. Für etwas Genuss habe ich eine kleine Prise Zimt und eine noch kleinere Prise frisch gemahlene Vanille dazu gegeben. Das musste einfach sein und ist, soweit mein Wissensstand, kein großes Vergehen beim Saftfasten.

Saft A: W: Wasser, H: ¼ Zitrone, F: 1 Rote Rübe, E: ½ Zucchini, M: 1 Stück Ingwer

Saft B: W: Wasser, H: ¼ Zitrone, F: 2 Handvoll grüner Salat, E: 1 Birne, M: 1 Stück Ingwer

Saft C: W: Wasser, H: 1 säuerlicher Apfel, F: etwas Kurkuma, E: 2 mittelgroße Karotten, M: etwas Ingwer

Saft D: W: Wasser, H: ¼ Zitrone, F: 1 Rote Rübe, E: ½ Zucchini, E: 1 Spalte süßlicher Apfel, M: 1 Stück Ingwer

Saft E: W: Wasser, H: ½ säuerlicher Apfel, F: 2 Handvoll grüner Salat, E: Kokoswasser, M: ¼ Kohlrabi

Saft F: W: Wasser, H: ½ säuerlicher Apfel, F: 1 Rote Rübe, E: 1 Karotte, M: 1 Stück Ingwer

Saft G: W: Wasser, H: ¼ Zitrone, F: 1 Rote Rübe, E: ½ Birne, M: 1 Stück Ingwer

Es gab auch noch zweit weitere Säfte mit Obst- und Gemüseresten, zum Beispiel mit dem restlichen Kohlrabi. Allerdings hatte ich dabei nicht auf die Elementezuordnung geachtet. Gut waren sie natürlich trotzdem!

W = Wasser, H = Holz, F = Feuer, E = Erde, M = Metall

Achtung: Wasser und Kokoswasser kommen natürlich nicht oben in den Entsafter rein sondern gleich unten in das Gefäß!
Bezüglich der Mengen an Obst und Gemüse kann man natürlich variieren. Mir ist aufgefallen, dass ich am zweiten und dritten Tag weniger Obst dazu gegeben habe als am ersten, weil es mir zu süß war. Die Süße von Roten Rüben unterschätzt man zu leicht. Man hätte dort auch das Obst weglassen können, wo Rote Rüben drinnen sind.

Zusammengestellt habe ich mir den Plan dann folgendermaßen:

Tag 1:
Saft D, Saft B, Saft C, Nussmilch
dazwischen: 1x gekaufter Gemüsesaft, Tee, 1x klare Gemüsebrühe, Wasser, Kokoswasser

Tag 2:
Saft A, Saft E, Saft F, Nussmilch
dazwischen: 1x gekaufter Gemüsesaft, Tee, 1x klare Gemüsebrühe, Wasser, Kokoswasser

Tag 3:
Saft G, Saft E, Saft F, Nussmilch
dazwischen: 1x gekaufter Gemüsesaft, Tee, 1x klare Gemüsebrühe, Wasser, Kokoswasser

So, ich glaube, jetzt habe ich alles gesagt, was ich mir vor, während und nach dem Saftfasten so gedacht habe. Ich werde das auf jeden Fall wieder machen, ich habe das Gefühl, dass mir diese Kur richtig gut getan hat. Und jetzt, wo ich weiß, dass ich das schaffen kann, fällt mir die Überwindung bestimmt auch leichter. Wichtig wird aber bestimmt sein, jede Fastenkur gut vorzubereiten, egal wie oft man das schon gemacht hat.

Habt ihr schon einmal eine Saftfastenkur oder eine andere Art des Fastens ausprobiert? Wie ist es euch dabei gegangen?

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