Fünf einfache Wege aus dem Fast Fashion-Konsum.

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Vor ein paar Monaten habe ich bei Freunden stolz verkündet, ich werde ab jetzt nur noch faire Mode oder Second Hand Kleidung kaufen. Fest überzeugt war ich davon, dass ich das jetzt ändern werde, von heute auf morgen. Denn als Vegetarierin, die tierische Produkte nur in Bioqualität kauft und diese grundsätzlich nur ganz selten konsumiert, um ungerechtfertigte Ausbeutung anderer Lebewesen nicht zu unterstützen, bin ich davon überzeugt: wenn wir darauf pochen, auf das Wohl der Tiere zu achten, dürfen wir uns Menschen dabei nicht vergessen. Und in der Fast Fashion Industrie sind es bekanntlich nicht (nur) Tiere, sondern vor allem Frauen und Kinder, die ausgebeutet werden. Das kann man vermutlich auch auf viele andere Industrien umlegen, die wir so alltäglich und meistens ganz ohne bewusste Überlegung unterstützen. Trotzdem ist es bei vielen von uns vermutlich neben dem Essen die Kleidung, für die wir vergleichsweise viel Geld ausgeben. Und deshalb habe ich mir damals gesagt, ich ändere das jetzt, weil Inkonsequenz kann ich nicht ausstehen. Wenn ich meine, vegetarisch und an den meisten Tagen vegan zu essen, muss ich auch in anderen Bereichen darauf achten, Ausbeutung nicht zu unterstützen.
Wie ihr euch vielleicht denken könnt, habe ich das anfangs unterschätzt. Dass das gar nicht so leicht ist. Das klingt jetzt irgendwie ziemlich arg und vielleicht auch nicht sofort einleuchtend. Und inkonsequent (natürlich). Aber die Sache ist folgende: als Studentin habe ich nicht das Riesenbudget, um viel Geld für Kleidung von fair produzierenden Labels auszugeben und die schönsten Stücke kosten auf diesem Sektor nun mal auch was. Hin und wieder muss es außerdem schnell gehen, wenn zum Beispiel gleich eine Reise ansteht und man noch dringend ein Kleidungsstück braucht. Das kann deshalb problematisch sein, weil es nur sehr wenige preisgünstige Offline-Shops gibt, die faire Mode anbieten. Das kommt auch dann zum Tragen, wenn man ein besonderes Stück sucht und sich die Sachen lieber in natura ansieht und nicht verschiedenstes auf gut Glück bestellen will. Deshalb hab ich mit meinem Vorhaben das eine oder andere Mal gebrochen. Und dabei ein extrem schlechtes Gewissen gehabt!
Darum war es mir ein Anliegen, einen Artikel darüber zu schreiben, welche einfachen Schritte es gibt, aus dem Fast Fashion-Konsum auszusteigen und trotzdem noch innerhalb seines Student/innen-Budgets zu bleiben!

But first: Let’s talk about myths!

Zunächst möchte ich aber mit ein paar Mythen aufräumen, weil ich den Eindruck habe, dass das dringend notwendig ist:

1. Faire / Ökologische Mode ist altbacken und nicht modisch. – Falsch! Die Labels, die sich auf Fair Fashion konzentrieren, sprießen nur so aus dem Boden und haben mindestens so schöne Stücke wie die Mittelklasse-Fast Fashion-Stores. Die Qualität ist in der Regel auch besser.

2. Faire / Ökologische Mode ist in jedem Fall ziemlich teuer. – Falsch! Es gibt genügend Labels bzw. Online- (und auch Offline-)Shops, die Fair Fashion zu einem gut erschwinglichen Preis anbieten. Wer also normalerweise häufig bei Zara und Mango einkauft, muss nicht unbedingt mehr ausgeben, wenn er/sie auf Fair Fashion Labels umsteigt.

3. Faire / Ökologische Mode bekommt man nirgends offline. – Falsch! Auch in den Wiener Einkaufsstraßen finden sich Geschäfte, die fair produzierte/ teils ökologische/ teils vegane Kleidung anbieten: American Apparel, Grüne Erde, Armed Angels (bei Peek&Cloppenburg), Muso Koroni, Anzueglich, Körbchen … um nur ein paar zu nennen.

4. Second-Hand-Kleidung ist abgetragen und nicht mehr schön. – Falsch! Wenn dem so wäre, würde sie vermutlich nicht mehr verkauft werden und sich außerdem auch kaum eine/n Käufer/in finden.

5 einfache Schritte raus aus dem Fast Fashion-Konsum

1. Überlege, ob du etwas wirklich brauchst.

Klingt banal, ist aber gar nicht immer so leicht, wenn etwas doch so hübsch aussieht. Trotzdem: Hast du so etwas Ähnliches schon zuhause? Hast du genügend Gelegenheit, das Stück deiner Begierde anzuziehen? Wird es dir in einem Monat auch noch gefallen?
Klar, manchmal möchte man sich etwas gönnen, das verstehe ich nur zu gut. Und ich finde es auch wichtig, sich mal zu belohnen, wenn es sein muss gerne auch mal mit einem schönen Kleidungsstück (wobei es mindestens so toll ist, sich mit einer Erfahrung/einem Ausflug/mit Yoga usw. zu belohnen, aber das ist jetzt eine andere Sache). Vielleicht ist es aber gerade dann angebracht, sich etwas zu gönnen, das auch ethisch und moralisch und umwelttechnisch vertretbar ist, also ein Fair Fashion Teil.
Ein gutes Prinzip, sicherzugehen, dass man längerfristig an etwas Freude haben könnte, ist sich darüber klar zu werden, was den eigenen Kleidungsstil denn eigentlich ausmacht. Kleidest du dich gerne verspielt oder doch lieber sportlich? Trägst du gerne bunte Kleidung oder bevorzugst du schlichte Farben? Magst du Muster oder sind sie für dich ein No-Go? Eine ganz gute Anleitung und Leitfragen dafür, dir über deinen Stil klar zu werden, findest du hier.

2. Schau dich mal in Second Hand Shops um, online und offline.

Du hast ein Fast Fashion Teil gesehen, das du gerne hättest, du willst aber die Industrie nicht direkt unterstützen? Schau dich doch online (oder offline) in einem Second Hand Shop danach oder nach einer ähnlichen Alternative um und trage auf diesem Weg dazu bei, schon vorhandene (und verbrauchte) Ressourcen zu nützen. Das hilft anderen Menschen dabei, ihren potentiellen Kleidungsabfall auf gutem Weg loszuwerden (ohne Müll zu produzieren) und verschafft dir das, was du möchtest. Häufig bekommt man Kleidungsstücke ungetragen oder komplett neuwertig zu einem tollen Preis. Meine liebste Adresse hierfür ist Kleiderkreisel und ich habe schon einiges dort ergattert (darunter auch einige Markenstücke!), zum Teil ganz neue Teile. Übrigens kannst du dort auch Teile aus deinem eigenen Kleiderschrank loswerden. Gleiches gilt für willhaben!
Wien hat aber auch eine ziemlich große Anzahl an Second Hand Shops. Am besten hältst du in deiner Gegend die Augen offen oder suchst dir online eine Adresse raus!

3. Schmeiß eine Kleidertausch-Party.

Einkaufen und socializen verbinden? Ja, bitte! So ziemlich jede/r von uns hat eine gewissen Anzahl ungetragener, aber noch sehr schöner Kleidung im Kasten. Warum also nicht mit den Freund/innen gemeinsam alles zusammentragen und in den noch gut tragbaren Kleidungsstücken der anderen schmökern?
Oder: Hat deine große (oder kleine – in meinem Fall) Schwester etwas auszumisten? Oder die Mama, die Cousine, die Tante oder gar die Oma? Sieh dir die Sachen davor an, vielleicht ist ja etwas dabei, das dir gefällt. Und umgekehrt: bevor du ungetragene Teile wegschmeißt, frag jemand anderen ob er/sie sie haben will oder versuche, sie weiterzuverkaufen.

4. Mache Fair Fashion (Online-)Shops zur ersten Adresse.

Wie oben schon geschrieben, gibt es einige Labels im Fair Fashion Bereich (ebenso wie bei Fast Fashion übrigens!), die eher teuer sind, zumindest aus dem Blickwinkel einer/s Student/in. Darum ist es immer gut zu wissen, wo man halbwegs preiswert faire Mode kaufen kann. Ich liste euch hier mal Shops auf, mit denen ich bisher recht gute Erfahrungen gemacht habe und die ich absolut weiterempfehlen kann.

Offline:
American Apparel
Armed Angels (z.B. bei Peek&Cloppenburg)
Muso Koroni
Körbchen

Online:
Für Vintage-Mode: www.dogdaysofsummer.at
Für Basics, Socken und Basic-Unterwäsche: www.grundstoff.net
Für sehr hübsche Unterwäsche: www.underprotection.dk
Für schlichte, aber besondere (Ober-)Teile: www.essentialsforzula.com
Für so ziemlich alles: Asos Eco Edit
Für so ziemlich alles (kann aber auch mal teurer ausfallen): www.avocadostore.com

Mehr Tipps und Infos zu Fair Fashion Shops gibt’s hier:
www.dariadaria.com
www.heylilahey.com
www.justinekeptcalmandwentvegan.com

5. Fang klein an.

Verlange nicht zu viel von dir, sei dir aber darüber bewusst, wo du einkaufst und warum. Es ist besser, klein anzufangen und sich vorzuarbeiten, als gleich zu Beginn zu viel zu wollen und schlussendlich alles über Bord zu werfen. Wie ich bei mir selbst gesehen habe, ist es nicht einfach, von heute auf morgen alles umzustellen und nur noch faire Mode einzukaufen. Vor allem, wenn man sich noch nicht auskennt und nicht weiß, wo man die besten Sachen für den eigenen Geschmack und die eigene Geldtasche bekommt.
Gib dir also Zeit, lerne faire / ökologische Offline- und Online-Shops kennen und mache deine Erfahrungen damit. Was mir auch hilft ist, mir vorzunehmen, bestimmte Kleidungsstücke nur noch bei fairen Labels einzukaufen. Dieser Vorsatz gilt bei mir zum Beispiel für Unterwäsche. Das hat unter anderem den Grund, dass das diejenige Kleidung ist, die am engsten am Körper aufliegt. Ist die also unter guten Bedingungen (heißt nicht nur ohne Ausbeutung, sondern auch ohne Pestizide usw.) produziert, gehen auch weniger schädliche Stoffe auf uns über. Das gilt für alle Kleidungsstücke, aber ich habe mal bei der untersten Schicht begonnen.
Außerdem: anstatt dir zum Geburtstag oder zu Weihnachten Gutscheine von H&M, Zara, Mango & Co. schenken zu lassen, wünsch dir doch einen Gutschein für ein faires Label. Du hast daran mindestens so viel Freude, da 1. nicht jede/r zweite mit dem gleichen Teil herumläuft, 2. du eine gute Sache unterstützt, 3. du deinen Körper etwas mehr vor Schadstoffen schützt und 4. vermutlich länger etwas davon hast, wenn die Qualität stimmt.

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